Färberwaid

Färberwaid



Als ich durch den Bauerngarten im Zweiständerhaus in Wackerwinkel (Gemeinde Uetze) gehe, fällt mir sofort eine ungewöhnliche Pflanze auf. Ist sie vertrocknet? Ist sie immer so schwarz? Wie heißt sie überhaupt?


Es ist Färberwaid (Isatis tinctoria L.) - eine aus dem südlichen Europa und Vorderasien stammende Pflanze, die zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) gehört.

Färberwaid wächst bei uns als verwilderte Kulturpflanze auf trockenen, warmen Unkrautbereichen und auf Weinbergen. Sie ist eine zweijährige Pflanze und wird 50 bis 150 cm hoch. Die Blätter sind blaugrün.
Die Blüten sind gelb und erscheinen im zweiten Jahr im Juli und August; sie sind wenige Milimeter groß. Im Herbst entwickeln sich dann die schwarzbraunen winzigen Schoten.

Ich hatte die Pflanze bisher nie gesehen; ihren Namen erfuhr ich von dem Schild im Bauerngarten. Da fiel mir ein, dass ich früher einmal mit meinen Eltern im Schwarzwald war und wir uns dort eine Blaudruckerei angesehen haben. Dort wurde nicht nur mit Indigo gefärbt, sondern ebenfalls mit anderen Pflanzenfarben, die blau einfärben, so auch mit Färberwaid.

So gewann man einst den blauen Farbstoff:
Alle Indigopflanzen enthalten als Vorstufe des Indigos die Zuckerverbindung Indican.
Die Bauern zerstampften die Waidblätter in einer Waidmühle zu Brei und ließen diesen aufgeschichtet zwei Wochen lang gären. Danach formten sie kleine sog. Waidkugeln, die von Waidhändlern auf den Märkten verkauft wurden.
Eine übelriechende Tätigkeit übernahmen die Waidknechte, die dann diese Kugeln mit Urin befeuchteten und erneut zum Gären brachten und erst nach zwei Jahren wurde dann in den Färbehäusern aus diesen vergorenen Waid unter nochmaliger Zugabe von Urin und Pottasche eine Brühe (Küpe) hergestellt, die man zum Färben nehmen konnte.
Die Stoffe blieben eine Stunde in der Küpe. Nach dem Herausnehmen waren sie erst einmal gelb und entwickelten dann an der Luft durch Oxidation die blauen Farbtöne.

Heutige Verarbeitung von Färberwaid:
Die Blätter werden an der Sonne getrocknet bis sie blaugrün sind und dann eingeweicht. Ist das Wasser dann grün gefärbt, werden die Blätter herausgefiltert. Das Wasser wird belüftet (man schlägt es mit Weideruten auf) bis das Färbegut darin indigoblau wird.
Einst erlangte Erfurt mit seinen unzähligen Waidmühlen Reichtum als Zentrum des Waidhandels. Färberwaid wurde bis ins 16. Jahrhundert zum Färben von Leinen verwandt, bis der blaue Farbstoff aus dem Indigostrauch Färberwaid verdrängte. Aber auch das natürliche Indigo verschwand 1880 durch das synthetisch hergestellte Indigo vom Markt.
Heute allerdings steigt der Anbau von Färberwaid in Thüringen wegen der Nachfrage des blauen Farbstoffes für die Restaurierung von Kirchen und Gebäuden wieder an.

Färberwaid als Heilpflanze:
Heilwirkung: antibakteriell, blutstillend, fiebersenkend, immunstärkend
Anwendungsbereiche: Entgiftung, Fieber, Hautentzündung, Halsschmerzen, Krämpfe, Mumps, Schuppenflechte, Schwellungen
Tee aus Wurzeln oder Blätter zum Gurgeln gegen Husten und Rachenentzündung
Aufguss äußerlich gegen Hauterkrankungen und Schwellungen
Hildegard von Bingen stellte aus einer Waid-Abkochung, Hirschtalk und Geierfett eine Salbe gegen Lähmung her.
Heute untersucht man die Wirkung bei Tumoren und auf Viren.

Noch eine Anmerkung:
Danke möchte ich an dieser Stelle an Rolf Müller sagen, der - genau wie ich – User bei Flickr.de ist. Bei meiner Suche nach blühendem Färberwaid bin ich auf seine Bilder gestoßen und ich darf diese hier meinem Beitrag hinzufügen.
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