Es ist ein verträumtes – unter Denkmalschutz stehendes - Dorf, vor allen Dingen dann, wenn man im Januar hierher kommt. Dann sind die Touristentröme nicht allzu heftig. Die kurvenreiche Straße zieht sich von Selçuk gut 7 km lang und 350 m hoch hinauf auf den Berg, aber unser Fahrer kennt sich hier aus.
Es scheint zwar im Augenblick nicht mehr die Sonne, aber es ist trocken. Wir hoffen, dass es so bleibt. Doch als dann nach einiger Zeit die ersten weiß verputzen Backsteinhäuser mit den roten Dächern vor uns auftauchen, wird der Himmel immer dunkler.
Wir halten auf dem kleinen Marktplatz,
der sich in einen größeren Busparkplatz öffnet. Oh, denken wir, noch mehr Touristen?
Nein, nein, wir sind „unter uns“.
Als wir aussteigen, orientieren wir uns an eben diesem Marktplatz, von dem viele kleine Gassen abgehen. Dort blicken wir auf eine „überdachte“ Straße. Plastikplanen schützen den kleinen Basar, durch den wir jetzt erst einmal bummeln, vor Wetterkapriolen. Gut so, denn kaum sind wir unter dem bunten Dach angekommen, kommt vom Himmel herunter, was herunter will. Es gießt in Strömen.
Macht nichts, schauen wir eben in den kleinen Läden vorbei, in denen Olivenöl, Maulbeermarmelade, Granatapfelsirup und Olivenseife angeboten wird; Kräuter nicht vergessen und ebensowenig Gewürze und getrocknete Früchte. Wein wird aus allem gemacht, was an den Bäumen wächst: Äpfel, Sauerkirschen, Pfirsiche und Erdbeeren.


Das ist Mustafa. Er sitzt schon seit vielen Jahren hier auf dem Markt und öffnet Mandeln. Das auf eine recht ungewöhnliche Art und Weise: mit dem Hammer.

Und gleich nebenan verkauft diese junge Frau Gewürze, Leckereien und die Mandeln, die Mustafa gerade eben geknackt hat.

Langsam lässt der Regen nach und wir wagen uns unter dem Foliendach hervor. Die kleinen Häuschen sehen so ganz anders aus, als wir es bislang in der Türkei gewohnt sind. Mit ihren weißen Wänden, den kleinen Fenstern mit den Fensterläden erinnern sich mich eher an Griechenland. Kunststück, denn in den letzten Jahrhunderten lebten hier sehr viele Griechen. Daher kommt wohl auch der Dorfname. Die Griechen haben den Ort „Kirkince“ genannt, woraus später der türkische Namen abgeleitet wurde. Der Legende nach sollen hierhin Bauern verbannt worden sein. Als sie gefragt wurden: „Ist dieser Ort schön?“, antworteten sie: „Nein, recht hässlich!“
So kam es zu der Namensgebung, denn Cirçince bedeutet „ein bisschen hässlich“.
Aber 1924 wurde dann das Dorf in Şirince umbenannt, was so viel wie „ein bisschen hübsch“ bedeutet.
1922 endeten auch die letzten kriegerischen Auseinandersetzungen
zwischen Griechenland und der Türkei und dem Austausch der Bevölkerung
zwischen Griechen und Türken stand nichts mehr im Wege. Es zogen viele
Griechen aus der türkischen Küstenregion nach Griechenland und ebenso
viele Türken kamen wieder zurück in ihre eigentliche Heimat. So
„wechselte“ auch in Şirince die Bevölkerung.
Etwas Tristess; ein wenig armselig sehen die Häuser beim näheren Hinschauen aus, nicht wahr?

Viele Frauen im Dorf bessern ihr Einkommen durch hübsche kleine
Handarbeiten auf; sie häkeln und verzieren damit weiße Tischdecken.
Als wir so durch die Gassen bummeln, spricht mich eine alte Frau an und erklärt mir „mit Händen und Füßen“, dass ich doch mitkommen soll. Also tun wir es und sie zeigt uns ihr winzig kleines Haus von innen. Ich schaue mir natürlich die Handarbeiten an und so liegt nun eine hübsche kleine Tischdecke bei uns zu Hause auf dem Esstisch.
Allmählich wird uns doch etwas kalt; die Nässe tut ein Übriges. Wir
freuen uns auf einen heißen türkischen Mokka, einen Raki und etwas
Warmes zu Essen. Gemütlich ist es in dem kleinen Lokal, in das wir
eingekehrt sind. Die Lampe an der dunklen Holzdecke erhellt den Raum
und im Kamin flackert ein Feuer.
Doch bald heißt es für uns Abschied nehmen von Şirince; wir fahren
zurück in unser Hotel nach Selçuk. Aber bitte nicht in diesem Beiwagen ...
... & von Selçuk aus fahren wir weiter nach Laodicea.