Nach
den Ruinen von Ephesus und dem Museum besuchen wir noch die vom
byzantinischen Kaiser Justinianus im 6. Jh n.Chr. erbaute Johannesbasilika.
Sie befindet sich direkt über dem Grab des Apostels. Die Kreuzkuppelkirche liegt am Fuße
des Ayasoluk-Hügel am Rande
von Selçuk.
Die Überlieferung setzt den Jünger Johannes gleich mit dem Evangelisten
Johannes, der im Kreise seiner Schüler das Johannesevangelium und die
drei Johannesbriefe hier in der Basilika geschrieben hat.
Doch die Geschichtsschreibung ist sich bis heute nicht ganz einig darüber, ob Johannes, Verfasser des Evangeliums, mit dem Jünger, „den der Herr liebhatte” identisch ist.
Nach Jahren kehrte Johannes wieder nach Ephesus zurück und lebte hier bis zu seinem Tod. Am Ende seiner letzten Predigt, die er unter das Motto „Kindlein, liebet euch untereinander” stellte, segnete er seine Gemeinde und legte sich selbst in das Grab neben dem Altar. Johannes starb vor aller Augen.
In der Legenda ist vom Wirken Johannes in Kleinasien zu lesen, wo er im Artemis-Tempel in Ephesus das Geschäft mit Heiligenbildnissen anprangerte. Aristodemus, der Oberpriester des Tempels, wollte nach dem entstandenen Aufruhr der Menschen Johannes veranlassen zu opfern, andernfalls müsse er das Gift zu trinken, an dem zwei Verbrecher vor seinen Augen schon gestorben waren. Johannes – so schreibt die Geschichte – habe das Kreuz über den Kelch gehalten und das Gift entwich in der Gestalt einer Schlage. Johannes trank nun den Kelch aus. Als er dann noch seinen Mantel über die Verbrecher legte, erwachten diese wieder zum Leben.
Die „Legenda Aurea”, die „Goldene Legende” war das religiöse Volksbuch des Mittelalters, weit mehr gelesen als die Bibel. Der Dominikanermönch Jacobus de Voragine (Erzbischof von Genua) schrieb dieses Buch zwischen 1263 und 1273. Es ist eine Sammlung der Lebensgeschichten von Heiligen und Aposteln. Voragine zitierte in seinem Buch nicht nur die Bibel, sondern auch religiöse Schriften aus dem Evangelium und im Volk überlieferte Geschichten. In lateinischer Sprache erzählte er das Leben Jesu und leitete moralische Nutzanwendungen ab.

Blick auf die Überreste der Johannesbasilika; im Hintergrund die Stadt Selçuk (o.).
Bei der Johannesbasilika handelt es sich um eine Kreuzkuppelkirche (u.)
in Form eines lateinischen Kreuzes, deren Hauptkuppel sich direkt über
dem Grab des Apostels erhebt.

Das Baptisterium
des Vorgängerbaus wurde beibehalten.
Heute noch sind die zahlreichen Bodenmosaiken zu erkennen, und auch das Taufbecken (li.) ist noch erhalten, in dem die Menschen - ganz untergetaucht - getauft
wurden.
In den oberen Bildern sind die Sitznischen zu erkennen, in denen die
Angehörigen und Freunde des Täuflings der Zeremonie beigewohnt haben.

Drei Päpste haben sie zwischenzeitlich besucht.
Papst Benedict XVI war 2006 in dem Gotteshaus. Am 29. November
besuchte er das Meryemana (Haus der Jungfrau Maria) in der Nähe von
Ephesus, wo der Überlieferung zufolge Maria, die Mutter Jesu, ihre
letzten Lebensjahre verbracht haben soll.
Als wir an der Johannesbasilika ankommen, regnet es, was vom Himmel herunter will. Nun ja, wir haben Januar und da ist das Wetter eben nicht wie im Sommer. Dafür ist es auch nicht so heiß und überlaufen. Wir haben - mit Regenschirm bewaffnet - eine himmlische Ruhe um uns herum und sind fast alleine in den Ruinen dieses gewaltigen Kirchenbaus.
Aber - darüber freue ich mich besonders - sind mir die beiden Bilder des Kirchenmodells gelungen, die auf dem Gelände ausgestellt sind. Selbst die Regentropfen konnten meinen Bildern nichts anhaben.
