17:40 h – nun sitzen wir im Taxi, nachdem wir um 17:15 h auf dem Flughafen Galileo Galilei in Pisa gelandet sind und unser Gepäck schnell in Empfang nehmen konnten. Bequem geht es jetzt nach Montecatini Terme; unser Hotel Boston erreichen wir nach einer halben Stunde. Das Einchecken ist kein Problem; schließlich hatten wir von Deutschland aus alles per Mail geplant und gebucht.
Wir richten uns erst einmal häuslich ein, denn dieses Hotelzimmer wird unser „Basislager“ für die nächsten fast vier Wochen sein. Es ist bereits dunkel, als wir uns zu einem ersten Bummel durch Montecatini aufmachen, denn der Hunger hat sich knurrend gemeldet. Mit leckerem Knoblauch-Weißbrot (Bruschetta), Peccorino, Rotwein und Espresso bekämpfen wir ihn.
Montecatini Terme mit rd.
20.000 Einwohnern bekommt jährlich fast 900.000 Gäste. Italiens Kurort
liegt im Dreieck der Städte Florenz, Lucca und Pisa; somit im
Valdinievole, dem „Tal des Nebels“.
Verkehrsgünstig gelegen werden wir von hier aus in die großen Städte den Zug nehmen. Das ist nicht nur frei von Stress, weil die Parkplatzsuche in den Zentren äußerst schwierig ist, sondern auch einen gehörigen Eurobetrag verschlingt.
Der Bahnhof in Montecatini Terme ist
von unserem Hotel in 15 min. zu erreichen. Wir sind nicht die einzigen
Touristen, die den Zug nehmen, denn die Zielbahnhöfe liegen ebenfalls
sehr zentral; auch die Kosten für die Bahnfahrt halten sich in Grenzen.
Natürlich steht nicht nur „das-in-der-Weltgeschichte-herumfahren“
auf unserem Programm. Nein, wir legen auch mal den einen und anderen
„Ruhetag“ ein. Dann bummeln wir durch den Kurort oder fahren in das
Bergdorf Montecatini Alto hinauf. Allerdings nicht so wie auf dem rechten Bild zu sehen ...
Jetzt aber erst einmal einige Infos zu Montecatini Terme
Schon seit der Antike ist es für sein alkalisch schwefelsalzhaltiges Heilwasser berühmt. Danach fast vergessen, bis nach der Renaissance Fürst Leopold von Habsburg-Lothringen dieses Fleckchen Erde wieder entdeckte.
Anfang des 18. Jh hat der Erzherzog der Toskana Pietro Leopoldo I das Thermalbad ausbauen lassen.
Große Namen kamen zur Kur in das Königliche Bad ( Bagno Reggio, 1773), die Terme Leopoldina und die Badeanstalt Tettuccio (1779).
Tettuccio ist sicher die eindruckvollste Kuranstalt; monumental aus Travertin und Säulen erbaut und in den zwanziger Jahren des 19. Jh renoviert.
1989 hat Paolo Portoghesi einen großen Saal mit modernen Akzenten
erbaut. Mit den Ausschankbecken ist Tettuccio das Herzstück der Kuranlagen.
Aus den Wasserhähnen des Ausschanks kommt das feuchte Nass der Thermalquellen Regina, Leopoldina (es ist das heißeste Wasser) und Tettuccio. Tettuccio heißt übersetzt "kleines Dach". Aber heute sieht diese Quelle alles andere als einfach und klein aus; heute ist sie eine der schönsten und größten Thermen von Montecatini.
Ebenfalls aus dem grün schimmernden kraterförmigen Springbrunnen
in der Mitte des Innenhofes sprudelt das Wasser der Leopoldina.


Guiseppe Verdi kurierte seine Leber; der
Schah von Persien kam mit Farah Dibah. Ferner kurten in den
Thermalbädern Gracia und Rainier von Monaco, Rose Kennedy, Kathrine
Hepburn, Gary Cooper, Giacomo Puccini und Christian Dior, der
allerdings 1957 hier verstarb.
Puccini soll in Montecatini die Musik zum 2. und 3. Akt von „La Boheme“ komponiert haben.
Verdi schrieb in den Thermen die Musik zum letzten Akt seiner Oper
„Othello“. Er kam 19 Jahre hierher; sein Klavier und andere persönliche
Dinge sind heute in der Accademia d’Arte in Montecatini zu sehen.

Für die Kurgäste ist der tägliche Besuch des „Königlichen Bades“
obligatorisch (!). Ich habe dieses zwar immer ein wenig belächelt; aber
das gehört wohl zum Kuren: "Sehen und gesehen werden".
Täglich fallen von 09:30 bis 13:00 h Eintrittskosten von 13 Euro an; dafür bekommt man ein Konzert geboten. Ab 11:00 h verringert sich der Eintritt auf 5 Euro; dann geht aber auch die Musik bald dem Ende entgegen.
Gestylt, frisch vom Friseur und mit dem passenden Outfit sitzen oder
schlendern die Damen und Herren Kurgäste durch die Anlage. Mit einem
Glas Heilwasser aus den Wasserhähnen der drei Quellen in der Hand wird
etwas für die Gesundheit getan. Nur gut, dass ich keine Kur mache, denn
das Wasser schmeckt alles andere als gut.

Wir genießen - wenn wir uns den Eintritt "leisten" - eine heiße unwahrscheinlich leckere "echte" Schokolade, einen Espresso und Prosecco (schließlich haben wir Urlaub!).
Gemütlich sitzend in Korbsesseln lauschen wir in der Sonne dem Konzert; uns unterhalten ein Mann am Klavier, ein Geiger und eine junge begabte Sängerin ...


Kuren im Charme des 19. Jahrhunderts (o.li.). Im Bild o.re. zeigt die Thermalquelle "Redi". Spaß macht auch das Shoppen zwischen den Anwendungen (u.li.). Bald wird sicher auch das alte Kurhaus (u.re.) nach der Restaurierung wieder im neuen Glanz erscheinen.

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
ein sanfter Wind vom blauen Meer weht,
die Myrthe still und hoch der Lorbeer steht,
kennst du es wohl?
Dahin!
Dahin möchte ich mit dir, oh mein Geliebter, ziehn!"
(Johann Wolfgang von Goethe, 1782)
Kennst du Montecatini Alto?
Dahin möchten wir dich jetzt entführen (einfach dem Link folgen ...)