Ganz allmählich ändert sich die Landschaft. Von Knysna kommend fahren wir wieder einmal weiter die N 2, bis wir kurz hinter Caledon rechts ab die R 43 und dann weiter die R 45 nehmen.

Große Felder mit Rebstöcken geben Hinweis darauf, dass wir uns dem Wineland
nähern. Südafrika hat sich in den letzten Jahrzehnten einen guten Namen
gemacht mit hervorragenden Weinen vom Kap. Heute ist der Weinanbau ein
wichtiger Wirtschaftsfaktor, den das Land den ersten Siedlern zu
verdanken hat. Siedler, wie z.B. den Hugenotten, die vor Jahrhunderten
von Frankreich und Holland emigrierten. Es war 1685, als viele
Hugenotten Frankreich verlassen. 21 von ihnen gründeten an dieser
Stelle eine kleine Siedlung, die den Grundstein für Franschhoek (Franzosenecke) legte. Viele Straßennamen erinnern an die französischen Wurzeln, ebenso Gasthäuser wie La Provence, Mont Rochelle und Chamonix.

Am
Ende der Hauptstraße stehen wir dann vor einem Denkmal, dem Monument
zur Erinnerung an die ersten, vor 250 Jahren eingewanderten Hugenotten.
1938 wurde ein Gedenkausschuss gegründet mit einer Zielvorgabe:
Errichtung dieser Gedenkstätte. 1943 fertig gestellt, wurde sie 1948
nach dem Zweiten Weltkrieg feierlich eingeweiht. Das Hugenot Memorial Museum
auf dem Gelände stellt das Leben der Menschen damals vor. Im Stil eines
alten Herrenhauses wurde das Museum 1967 seiner Bestimmung übergeben.
Ein altes Sklavenhaus und ein Weinkeller aus damaliger Zeit sind
rekonstruiert. Über dem Säulengang ist der Hugenottenspruch “Post
Tenebras Lux” (Nach der Finsternis Licht) zu lesen.
Das Leiden der Hugenotten begann mit den 95 Thesen von Martin Luther und der Reformation. Verfolgungen durch die Ketzer waren an der Tagesordnung. So kamen sie hierher. Die Steine auf dem Friedhof von Franschhoek lesen sich wie alte Stammbücher.

Unser “Domizil” haben wir dann in Paarl aufgeschlagen. Paarl heißt auf
Afrikaans Perle, und so reihen sich die Häuser auch an einem Hang
hinauf. Das Grande Roche
ist nicht nur Hotel sondern auch ein Weingut. Die exklusiven Bungalows
mit Namen wie Dahlia (dort wohnten wir) liegen direkt in den
Rebstöcken. Hochgebunden sind sie, damit die Trauben nach unten hängen
und vor der Sonne durch das Blätterwerk geschützt werden. Wenn wir aus
der Tür unseres Bungalows kamen, konnten wir die Trauben pflücken. Bei
einen Glas Cabernet Savingnon und der Times, die wir “natürlich”
täglich bekamen, genossen wir das exklusive Leben auf Grande Roche.
Paarl ist mit seinen fast 200.000 Einwohnern nach Kapstadt die größte Industriestadt in der südafrikanischen Provinz Westkap. Sie liegt etwa 50 Kilometer nordöstlich von Kapstadt und wurde offiziell im Jahr 1690 gegründet.
Paarl hat mehr zu bieten als nur Wein!
Etwas außerhalb der Stadt - oben am Hang gelegen - besuchen wir am späten Nachmittag das Afrikaans Language Museum und Denkmal, ein Monument für Südafrikas Sprachen. 1965 entworfen, wurde es nach 10 Jahren Bauzeit in Anwesenheit von mehr als 40.000 Gästen am 10. Oktober 1975 eingeweiht. Es erinnert an das Jahrhundert des Afrikaans, dass 1925 offiziell zur eigenen Sprache erklärt wurde und die Niederländische Sprache als Staatssprache in der Südafrikanischen Union ablöste und symbolisiert Einflüsse unterschiedlicher Sprachen und Kulturen auf das Afrikaans selbst, sowie auf die politischen Entwicklungen in Südafrika.
Das Afrikaans-Sprachdenkmal im Einzelnen:
Der helle Westen – das europäische Erbe der Sprache;
das magisches Afrika – der Einfluss des afrikanischen Kontinents auf die Sprache;
die Brücke – zwischen Europa und Afrika;
das Afrikaans – die Sprache selbst;
die Republik – erklärt 196;
die Malaische Sprache und Kultur.
Durch das Weinland zieht sich wie ein roter Faden die Wine Route. Wir fahren vorbei an Weingütern wie Morgentau, Groot Constancia oder Neethlingshof.

Eine unendlich lang erscheinende Pinienallee führt uns zum Neethlingshof. Im kapholländischen Stil erbaut, lädt sein heiteres
Ambiente zum Verweilen ein. Im Lord Neethlings Restaurant wird man mit
gutem Essen und den hervorragenden Weinen verwöhnt.
Die Geschichte des Weingutes begann vor mehr als 300 Jahren. 1692 kam der deutsche Einwanderer Barend Lubbe hierher. Seit 1985 gehört das Gut wieder einem Landsmann, der mit viel Know How eine moderne Weinproduktion aufbaute.

Stellenbosch - auch für seine guten Weine bekannt - ist nach Kapstadt
die zweitälteste von Europäern gegründete Stadt des Landes. Die gut
102.000 Einwohner zählende Stadt hat schöne alte Häuser im
kapholländischen Stil. Viel Holz kam zur Verarbeitung. Kleine
Boutiquen, Restaurants und verwinkelte Straßen prägen das Bild.
Apropos: Straßen. Wir suchen die Van Riebeeck Straße und wollen zum Botanischen Garten. Finden aber kein - nach deutschen Vorstellungen - entsprechendes Straßenschild. Doch dann löst sich auch dieses Problem. Denn hier in Stellenbosch stehen die Straßennamen unten in weißer Schrift am Bordstein. Darauf muss man erst kommen.

Mit dieser Protea aus dem Botanischen Garten von Stellenbosch nehmen wir Abschied vom Wineland. Wir wollen weiter nach Kapstadt fahren. Koffer sind gepackt und auf geht’s über die N 2 zu Südafrikas Mutterstadt.