Lissabon - Belém

Wir fahren wieder mit dem Schnellbus von Praia de Areia Branca (Lorinha) nach Lissabon. Am Sete Rios, dem Busbahnhof, nehmen wir ein Taxi, das uns für 6,00 Euro nach Belém (portugiesisch für Betlehem) bringt.

Direkt am großen Brunnen vor dem Hieronymuskloster steigen wir aus. Nun kann unser Tag hier draußen mit Kultur, Natur & Pasteis; dem Torre de Belém und dem Padrão dos Descobrimentos beginnen.

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Es ist noch früh (zumindest für hiesige Verhältnisse); es ist gegen 09:15 Uhr. Die Sonne aber strahlt schon am blauen Himmel und vom nahen Wasser kommt eine leichte Brise herüber. Wir bummeln nun erst einmal über den großen Vorplatz mit den bunten Blumenrabatten, alten Bäumen und den Wasserbecken voller Seerosen.

Überall flattern Tauben umher, die sich von den Menschen nicht stören lassen. Sie brüten sogar zwischen den Beinen der Pferde (hier in der Statue).

belem belem Der breite parkähnliche Streifen zwischen der Hauptverkehrsstraße am Wasser und den Häuserreihen (li.) dämmt selbst die ständig fahrenden Vorortzüge und Straßenbahnen. Für viele Einheimische ist dies auch ein Platz zum Joggen. Wir bummeln aber lieber und drücken auf den Auslöser unserer Kameras.

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Kamerastopp: Palácio de Bélem - der Präsidentenpalast (o.re.). Rosa leuchtet er in der Sonne und wird beschützt von Wachsoldaten. Für Besucher geschlossen. Doch die können das Museu Nacional dos Choches gleich am Eingangstor besuchen und  54 alte Kutschen aus dem 17. bis 19. Jh. anschauen.

Und nebenan ist eine Post, bei der ich gleich die gestern geschriebenen Urlaubskarten einwerfe.

Weiter geht es!
Der Blick fällt in den Eingang eines Schuhmacherladens.


belem Stopp! Unser nächstes Ziel ist erreicht. Das Pasteis de Belém. Es war zu Beginn des 18. Jh., als viele Klöster aufgelöst wurden. Die Menschen, die für die Mönche arbeiteten, hatten nun keine Verdienstmöglichkeiten mehr. So wusste auch der Kuchenbäcker vom Jerónimos Kloster nicht mehr weiter. Damals (um 1837) gab es auch die Zuckerraffinerie von Dominigos Rafael Alves, der kurzerhand den Bäcker (natürlich mit dem Rezept der Pasteis) einstellte und fortan die Puddingküchlein fabrikmäßig backte.

Das Rezept ließ sich Alves patentieren. Bis heute ist das Rezept geheim und unter Verschluss. So gelangen ungefähr 15.000 kleine Törtchen täglich aus der großen Backstube der Unica Fabica dos Pasteis de Belém in den Verkauf. Und damit es bei dem Geheimnis blieb, konnte ein Bäcker nur dann „Pasteis-Bäcker“ werden, wenn er bereits 25 Jahre ohne Fehl und Tadel in der Fabrik gearbeitet hat.

belem Wir haben heute früh ein sehr kleines Frühstück zu Hause gehabt, wohl wissend, dass uns hier eine Leckerei erwartet, die ihresgleichen sucht. Also suchen wir uns erst einmal einen schönen Tisch im Café aus und dann gehe ich los und bestelle zwei groooooße Portionen Pasteis, Cappuccino und Espresso.

belem Oh je, sollte ich da nicht lieber rot werden, wenn man uns mit diesen Tellern voll sieht? Aber nein, wir sind nicht die einzigen Gäste, die vor solchen Süßigkeiten sitzen.

Ob die Gäste früher tatsächlich nach dem Pasteis essen an dieser nostalgischen Kasse ihr Geld gelassen haben ? Jedenfalls passt sie gut in das Ambiente des Cafés, das über und über mit schönen Azulejos geschmückt ist.

Und damit ich immer wieder zu Hause an diesen Tag erinnert werde, habe ich eine Tasse gekauft (kostet 6,00 Euro).

Na ja, ich will es an dieser Stelle gleich beichten: Am Ende des Tages können wir nicht widerstehen und gehen noch einmal Pasteis essen ...


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Jetzt erst einmal gestärkt gehen wir weiter zum Mosteiro dos Jerónimos, das sich ohne Übertreibung als eines der schönsten Klöster Portugals rühmen darf. Unsere Kameras klicken aus jeder Blickrichtung. Es ist schon ein gewaltiger Bau mit einer Frontlänge von 300 m, den wir uns nun auch von innen ansehen wollen. Aber das klappt nicht. Denn heute ist Montag!

Alles haben wir vor unserer Reise über das Hieronymuskloster gelesen. Alles, nur nicht die Öffnungszeiten. Die sind nämlich Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr (Okt. bis April) und bis 18:00 Uhr (Mai bis Sept.).

So können wir nur - wie auch andere Besucher um uns herum (!) - das Kloster von außen anschauen.

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belem König Manuel I. ließ das Kloster zu Ehren der Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama errichten. Es war das Jahr 1499, als der König den Bau beauftragte; 1501 wurde damit begonnen und vier Baumeister brauchten dann 100 Jahre für die Konstruktion. Geweiht wurde das Mosteiro dem Ordensgründer Hieronymus, der als Einsiedler im heutigen Syrien lebte und dort im Jahre 420 starb.

In der Zeit von 1834 (dem Auflösen des Klosters) und Mitte des 19. Jh. waren die Gebäude ein Waisenhaus. Heute – nach der Restaurierung und Ernennung zum Weltkulturerbe durch die UNSECO im Jahre 1984 – hat das Kloster einen hohen symbolischen Wert für Portugal. Vasco da Gama und Fernando Pessoa liegen hier begraben. Pessoa, der 1935 starb, wurde an seinem 50. Todestag vom Cermitério dos Prazeres hierhin ungebettet.


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Wir gehen weiter Richtung Centro Cultural de Belém. Das Kulturzentrum ist sicher eines der bedeutendsten Bauwerke Portugals der letzten Jahrzehnte. Aber auch eines der umstrittensten Gebäude, zumindest für die UNESCO. Das Zentrum steht nämlich im direkten Blickfeld zwischen Kloster und Torre de Belém. Und das ging den Verantwortlichen damals zu weit; die Aberkennung als Weltkulturerbe stand auf dem Spiel.

Wer es besuchen möchte, kann dies täglich von 11:00 bis 20:00 Uhr tun.
Die Wogen haben sich geglättet und in dem 1992 fertiggestellten Bau, das zu Übernahme der EU-Präsidentschaft Portugals eröffnet werden sollte, werden heute Konzerte gegeben und Ausstellungen gezeigt.


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belem Einige Meter weiter kommen wir zu einer Fußgängerbrücke und damit  auf die andere Seite der Hauptverkehrsstraße. Dort, am Wasser, liegt das wohl am meisten fotografierte Bauwerk Lisboas, der Torre de Belém; seit 1983 Weltkulturerbe der UNESCO. Als Festung und damit zur Sicherung des Landes wurde der Turm zwischen 1515 und 1521 erbaut. Sechzig Jahre später machte man den Torre zum Kerker für unbequeme Landsleute. Napoleon ließ ihn zerstören, doch Dona Maria II. gab 1846 den Auftrag zum Wiederaufbau. Und als Lissabon 1994 Europas Kulturhauptstadt war, wurde der Turm restauriert.

Einst stand der Torre de Belém mitten im Tejo, doch das Erdbeben von 1755 und Aufschüttungen sorgten dafür, dass man den 35 m hohen und viergeschossigen Turm heute trockenen Fußes erreichen kann. Besichtigungen sind möglich: Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr (Okt. bis April) und bis 18:30 Uhr (Mai bis Sept.).

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Man blickt von hier aus über die Stadtteile am anderen Ufer und auf die Ponte 25 de Abril. Die gleiche Konstruktion wie die Golden Gate Bridge in San Francisco ist nicht zu verkennen.

Der Diktator Salazar gab der Brücke zur Einweihung 1966 seinen Namen, doch als Erinnerung an die Nelkenrevolution 1974 wurde sie umbenannt.


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belem belem Weiter geht’s: Der Leuchtturm ist erreicht und wir versuchen schon mal versuchen, das vor uns liegende Padrão dos Descobrimentos auf den Film zu bannen.1960 wurde zum 500. Todestag Heinrich des Seefahrers  Denkmal der Entdeckungen errichtet. Es sieht so aus, als ob eine Karavelle am Ufer liegt. Zumindest, wenn man das Denkmal vom Wasser aus betrachtet. Landseitig erscheint der Bau wie ein überdimensionales Schwert, dem Wahrzeichen der Dynastie Aviz. Sie war es, die seinerzeit für Portugal die Kolonien erobert haben.

Heinrich der Seefahrer steht ganz vorne auf der Karavelle, gefolgt von unzähligen Seefahrern und Missionaren.

Steht man erhöht auf dem Denkmal, fällt der Blick herunter auf eine Windrose und eine Landkarte aus Marmorteilen. Südafrika hat Portugal dieses Werk geschenkt.

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belem belem Ein wenig Ruhe und Erholung können wir zwischendurch auch gebrauchen. Also nehmen wir die Fußgängerunterführung und wechseln erneut die Straßenseite. Gleich rechts neben dem Mosteiro geht die Beco do Chão Salgado, die Gasse des versalzenen Bodens, ab.

Dort ist der Eingang zum Jardim-Museu Agrícola Tropical.  Ein grünes Paradies aus Palmen, Teichen, exotischen Pflanzen, Garten- und nostalgischen Eisengewächshäusern sowie laut schnatternden Enten und Gänsen, gurrenden Tauben und jeder Menge Vögel. Wir bummeln unter großen alten Bäumen hindurch und ruhen uns auf einer Bank aus. Sehr zum Leidwesen der Entenschar, dies uns fast aus ihrem Reich vertreiben will.

belem Das ist täglich (außer Freitag) in der Zeit von 10:00 bis 17:00 Uhr zu erleben.

Und mit diesen Bildern verabschieden wir uns aus Belém. Ein Taxi bringt uns für 6,00 Euro wieder zurück zum Sete Rios, wo wir den Schnellbus nach Praia de Areia Branca nehmen. Auf dem Heimweg von Bus zu unserem Ferienhaus treffen wir den netten Kellner vom ebenso guten Restaurant um die Ecke. Doch wir sind immer noch satt von den unzähligen Pasteis in unseren Bäuchen. Um nichts auf der Welt passt da heute noch was rein …


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