Ein Tagesausflug ist angesagt. Wir wollen die „Perle des Ammerlandes“ (be)-suchen:
das Zwischenahner Meer.
Von uns – aus der Region Hannover – bis nach Bad Zwischenahn sind es 207 km. Das Navigationsgerät zeigt den direkten Weg über die Autobahn. So sind wir nach rund 2 1/2 Stunden am Ziel.
Es ist 10:00 h bei der Ankunft in Bad Zwischenahn. Wir finden auch sofort einen Parkplatz in Wassernähe.
Caesar, unser Dackel, ist mit von der Partie und so blicken wir erst einmal recht ratlos drein, denn es regnet, was vom Himmel herunter will. Nun ja, wir hatten zwar zu Hause den Wetterbericht gehört, aber irgendwie sind wir doch rechte Optimisten mit der Vorstellung, dass an dieser „Perle“ die Sonne scheint …
Aber wir sind ja nicht aus Zucker und machen – mit Schirm und Jacke
bewappnet – einen Spaziergang am See entlang. Wir sind tatsächlich
nicht die einzigen Unverdrossenen, die den Fuß vor die Tür gesetzt
haben und Caesar ist auch nicht der einzige Hund, der den Wunsch nach
Gassi gehen hegt.
Apropos: Caesar: Für ihn völlig neu sind die Enten, die hier „frei“
herumlaufen. Doch als gut erzogener Dackel lässt er sich von uns
schnell wieder in seine Schranken weisen.
Sicher warten aber auch die Enten auf besseres Wetter, das immer noch
auf sich warten lässt. So entscheiden wir uns gegen eine Fahrt mit
einem der vier Schiffe der weißen Flotte. Eigentlich wollen wir dieses
Mal bei unserem Besuch eine Bootsfahrt machen, aber der Wind frischt
immer weiter auf; der Regen lässt nicht nach und das andere Ufer ist
auch nur zu erahnen.


So ist der Ticketschalter verweist und die Boote
dümpeln abgedeckt vor sich hin.
Aber, das das ist klar, die Natur braucht auch Regen und die
Pflanzen danken es mit frischem Grün und leuchtenden Blütenfarben.
Das Zwischenahner Meer ist
über einem eingestürzten Salzstock entstanden. Salzstöcke bilden seit
mehr als 250 Millionen Jahren den Untergrund Norddeutschlands.
Bohrungen in den Ablagerungen vom Faulschlamm belegen die Entstehung des
Meeres vor etwa 12.000 Jahren.
Heute umgibt ein dichter Schilfgürtel fast noch den ganzen See auf
einer Breite von rund 10 m. Früher war dieser Schilfgürtel allerdings
bis zu 200 m breit.
Am Ufer blühen Seerosen, Igelkolben, Rohrkolben, Blut-Weiderich und Wasserdost.
Viele einheimische Vogelarten finden in der Uferzone ein Zuhause,
ebenso wie Stockenten, Blässhühner, Rohrdommel, Eisvögel, Graureiher,
Fischadler und Möwen.
Doch langsam wird es uns nun doch zu nass und zu kühl. Und so steuern wir
den „Spieker“ an.
Wir wollen unbedingt wieder einmal die tollen Bratkartoffeln essen …
Das einstige Bauernhaus ist Teil des seit 1910 bestehenden Freilichtmuseums hier am Südufer des Zwischenahner Meeres.
Insgesamt stehen dem Besucher 14 Haupt- und Nebengebäude zur
Besichtigung offen, so wie auf diesem Bild zu sehen: ein alter Speicher.
Früher wurde im Spieker Getreide gelagert; daher auch der Name, der sich von „Speicher“ ableitet. Damals war der untere Raum noch geteilt. Es gab einen Backspeicher und einen Brospieker (Brauspeicher).
Im Backspeicher wurde der Teig für ein kräftiges
Schwarzbrot hergestellt, das später im Backofen draußen im Garten gebacken wurde.
Obergäriges Bier braute man gleich nebenan. Im Winter tranken es die Leute warm: „Heet und Sööt“, also heißes und süßes Bier.
Heute aber genießt man norddeutsche Gastlichkeit in den Räumen des
Spieker. Und – wie gesagt – wir kommen gerne hierher und freuen uns
auf Bratkartoffeln mit Matjes (u.li.)
oder mit Krabben und Rührei (u.re.).
Selbstverständlich darf eine Mockturtlesuppe nicht
fehlen.

Aber bevor wir uns auf das Essen freuen, brauchen wir erst einmal einen heißen Tee, der stilgerecht in blau-weißem Geschirr serviert wird und auf dem Stövchen immer schön heiß bleibt.
Erst kommt ein Kluntje (großer Kandis) in die Tasse und darauf der heiße Tee. Danach wird ein Löffel Sahne vorsichtig an den Rand der Tasse gegeben. Bitte nicht umrühren!
Der Tee wird traditionell ohne Umrühren getrunken, so dass erst die suße Sahne, dann das kräftige Teearoma und zum Schluss die Kandissüße auf dem Tassengrund geschmeckt wird.

Schaut man sich im Spieker um, so sind unschwer zu erkennen, dass das Gebäude schon viele Jahre alt ist. Alles ist ein wenig schief; kein Eichenträger an der Decke ist wie der andere; die Fenster haben noch „echte“ Sprossen und die Wände sind „wunderschön uneben“.
Und an den Wänden erzählen Gegenstände des täglichen Lebens vom damaligen Leben.
So diese fast 40 cm Durchmesser großen eisernen Topfuntersätzer
(li.). Schön verziert sorgen sie dafür, dass der heiße große gusseiserne Topf
keinen Brandfleck auf dem Holztisch macht, wenn er dort zum gemeinsamen
Essen der Familie abgestellt wird. Die Topfuntersätzer schützen das
Holz.
Und damit diese schwere Topf von der Feuerstelle auf den Tisch transportiert werden kann, gibt es diesen Topfhaken.
Es gab einst keine moderne Zentralheizung. Gefeuert wurden Ofen und Herd mit Torf, den es hier rund um das Zwischenahner Meer zur genüge gab. Dafür brauchte man solche Torfstecher (re.)
Im Sommer diente die Reuse zum Fischfang. Aber im Winter, wenn das
Wasser gefroren war, nahm der Fischer diese Spieße,
stecke sie abends in den Bodenschlick ins Wasser und sammelte am nächsten Morgen die
Fische ein, die sich in den Zwischenräumen verfangen hatten.
Na, habe ich jetzt Lust auf noch mehr Infos über das Freilichtmuseum im Bad Zwischenahn gemacht? Dann also: Hinfahren und anschauen. Und vielleicht auch Bratkartoffel im Spieker essen …
Aber wenn wir schon einmal hier oben im Ammerland sind, wollen wir auch gleich das Nützliche mit dem Schönen verbinden: Wir wollen einen neuen Rhododendron für unseren Garten kaufen.
Der Platz ist schon dafür ausgesucht und wie er blühen soll, weiß
ich auch schon. Nämlich so, wie der, den ich aus meinem Bürofenster
sehe.
Da ich aber den Namen nicht kenne, hilft mir das reichlich wenig. Also
fotografiere ich kurzerhand die Blüte, maile sie an
eine Rhododendron-Gärtnerei in Westerstede
und avisiere unser Kommen für den Nachmittag.
Der Gärtner, Herr Tönjes, erwartet uns und – was soll ich sagen – natürlich kennt
er ihren Namen: „Gomer Waterer“ (li.).
Und – was soll ich weiter sagen – als wir so miteinander klönen, haben wir uns
letztendlich für „Germania“
(re. - hier ein „Archivbild“) entschieden. Nun warten wir auf die
Lieferung des Rhododendronbusches im Herbst und voller Vorfreude auf
das kommende Frühjahr und die Blüten.
So, da das Wetter immer noch nicht besser wird, beschließen wir, unseren Ausflug ins Ammerland zu beenden und nach Hause zu fahren. Schließlich sind 207 km nun doch nicht die Welt und wir können ja wiederkommen, wenn die Sonne scheint. Und das alles verbunden mit der Gewissheit, wieder die tollen Bratkartoffeln um Spieker genießen zu können!