Worpswede,
so wie es heute aussieht, ist eine Gemeinde, die 1974 aus den bis dahin
selbständigen Gemeinden Worpswede, Waakhausen, Uberhamm, Schlußdorf,
Mevenstedt, Neu Sankt Jürgen, Hüttenbusch und Ostersode entstand. Orte,
die verteilt im Teufelsmoor liegen.
Heute hat Worpswede rund 9.500 Einwohner.
Anreise aus Richtung Hannover (A 27)
Abfahrt "Achim Nord" über Oyten, Fischerhude, Quelkhorn und Grasberg nach Worpswede.
Anreise aus Richtung Hamburg (A 1)
Abfahrt "Stuckenborstel", (B 75) über Ottersberg (Richtung Lilienthal), Quelkhorn und
Grasberg nach Worpswede.
Es war der 13. September 1884, als Fritz Mackensen
in das kleine Dorf Worpswede im Teufelsmoor kam, um die
Kaufmannstochter Mimi Stolte
zu besuchen. Es war das Licht und die „Zauberwelt“, wovon der Maler
fasziniert war; ein unbeschreibliches Licht, wie er es an seinem
Studienplatz Düsseldorf nicht erlebte. Mackensen blieb und holte die
Maler Otto Modersohn,
Hans am Ende,
Fritz Overbeck
und Heinrich Vogeler
in das norddeutsche Dorf. Aus dem Moordorf wurde
1889 die Künstlerkolonie.
Doch es dauerte noch 11 Jahre, bis die Maler mit ihren Bildern den Durchbruch schafften. Die Menschen schwärmten von den Bildern, die im Münchener Glaspalast gezeigt wurden. Otto Modersohn erhielt für seine Werke eine goldene Medaille.
Die Künstlerkolonie wuchs. Paula Becker kam hinzu. Sie, die unbedingt Malerin werden wollte und Unterricht bei Fritz Mackensen nahm. Später wurde sie die zweite Frau Otto Modersohns.
Den Schriftsteller Rainer Maria Rilke zog es ebenso nach Worpswede wie die Bildhauerein Clara Westhoff, die spätere Ehefrau von Rilke.
Im Laufe der Jahrzehnte – bis in die heutige Zeit hinein – ist Worpswede der Anziehungspunkt für Kunstschaffende geblieben.

Unser Rundgang durch Worpswede führt uns auch
zum Rathaus (o.)
1984 hat der Gemeinderat beschlossen, das 200 Jahre
alte „Nicolaus-Bötjer-Haus“
vor dem weiteren Verfall zu retten. Die historische Baustruktur konnte
erhalten bleiben und die Gebäude zog das Rathaus und die Verwaltung ein.
Einen herben Rückschlag gab es in der Nacht von 13. auf den 14. Juni
1997, als ein Blitz das Haus in Teilen zerstörte; doch heute erstrahlt
alles wieder im alten Glanz.
Worpsweder Dorfglocke - sie steht an der Stelle, an der einst die Bet- und Feuerglocke stand.
Worpswede erstreckt sich heute rund um den Weyerberg; das Teufelsmoor hat zu damaliger Zeit Dorf und Hügel umschlossen. 1755 ließ Jürgen-Christian Findorff (Hannoverscher Moorkommisar) systematisch Gräben ins Moor anlegen. Torf wurde gestochen und die Torfkähne prägten fortan das Bild der Landschaft. Heute braucht niemand mehr Torf als Brennstoff; die Natur erholt sich wieder und auch der Kranich ist zurückgekehrt. Rund um Worpswede kann man herrlich durch die Landschaft wandern.

"Herzlich willkommen!
So laden z.B. diese weiße Gartenpforte zu Eintreten ein oder diese blaue Haustür.

Wir aber bummeln zuerst zur Zionskirche (o.). Sie liegt erhöht über den Dorf und wurde von Jürgen-Christian Findorff entworfen und 1759 eingeweiht. Das Innere ist schlicht, aber wunderschön ausgestaltet. Das Rippengewölbe ziert eine Anzahl kleiner Engel und viele bunte Blumen.
Wie es dazu kam?
Es war am 12. August 1900, als Paula Modersohn-Becker und Clara Rilke-Westhoff den Kirchturm erstiegen und aus einer Laune heraus die Glocke läuteten. Sie lösten dadurch Feueralarm aus. Strafe muss sein, und so mussten sie„das Innere der Kirche künstlerisch ausgestalten“. Paula malte Blumen und Clara modellierte die Engel.

Die schichte Kirche erhielt ihre Dekoration durch
einen "Lausbuben-Streich".
Dafür "büßten" Paula und Clara mit Blumen (malte Paula) und
Engeln (modelierte Clara).
Viele der Künstler liegen auf dem Friedhof an der Kirche begraben.
Viel zu früh verstarb auch Paula Modersohn-Becker.
Geboren am 8. Februar 1876 in Dresden, verstarb sie 31-jährig am 20.
November 1907 an einer Embolie wenige Tage nach der Geburt der
Tochter Mathilde, die alle
liebevoll Tille nannten.

Paula hatte schon zu Lebzeiten gesagt, wie einmal ihr Grab aussehen sollte.
Aber ihre Familie und dem Architekten Bernhard Hoetger
schwebte ein anderes Grabmahl vor. Es dauerte noch Jahre, bis die
Kirche den Grabstein genehmigte. Die leichte Bekleidung von der
Skulptur Paulas war lange Zeit ein Diskussionspunkt. Die Steinplastik
wurde zwischen 1916 und 1919 errichtet und trägt den
Titel "Werden und Vergehen". Sie zeigt Paula
mit der kleinen Tille.
Bernhard Hoetger war es auch, das der größten Teil der Arbeiten von Paula Modersohn-Becker nach Bremen in die Kunstsammlungen Böttcherstraße mit dem Paula-Modersohn-Becker-Museum in Bremen. Berühmtheit erlangte die Malerin erst nach ihrem Tode.
Bummeln wir also weiter durch das Dorf. Meine Bilder, die die Kamera eingefangen hat, zeigen ein wenig von dem Licht in Worpswede:


Da ist die Käseglocke –
1926 wurde dieser Kuppelbau aus Holz auf dem Weyerberg von dem
Schriftsteller Edwin Koenemann erbaut. Er sah den Entwurf dieses Hauses
des Architekten Bruno Taut 1921 in einer Zeitschrift.
Heute ist dort das Museum für Kunsthandwerk untergebracht; die Freunde Worpswede e.V.
unterhalten das Haus.

Überall im Ort "verstecken" sich hübsche Reet gedeckte
Häuser hinter grünen Hecken.
Da ist der Barkenhoff (Birkenhof) – Heinrich Vogeler
kaufte den Bauerhof 1895 und baute das Gebäude im Jugendstil um. Es wurde Mittelpunkt
der Künstlerkolonie.
Nach dem Ersten Weltkrieg war eine Arbeitsschule
untergebracht und ein Kinderheim.
Leider verfiel der Hof; er wurde von der Barkenhoff Stiftung
restauriert und diente Stipendiaten als Atelier.
Umfangreiche Renovierungsarbeiten lassen nunmehr seit 2004 den Barkenhoff mit dem Heinrich-Vogeler-Museum wieder im neuen/alten Glanz erstrahlen. Heute finden hier Ausstellungen mit Werken des Künstlers statt und zur Kunstgeschichte Worpswedes.
Der Barkenhoff wurde oft „in alle Welt geschickt“, denn 1989 druckte die Bundespost das Gebäude auf eine Briefmarke.
Nach wie vor haben junge Künstler Gelegenheit, für 12 Monate ein Stipendium zu bekommen und in den Ateliers der Nebengebäude arbeiten zu können.

Da ist das Kaffee Worpswede
– ein eigenwilliges Backsteingebäude mit einer großen Kunstschau. 1925
wurde es erbaut und sieht eher aus wie ein „Indianerdach“. Architekt,
Baumeister und Künstler Bernhard Hoetger hat es erbaut. 2002 wurden die
Gebäudeteile grundlegend renoviert.
Kaffee Verrückt, weil es ein Haus ohne vernünftige Bauzeichnungen und ohne rechte Winkel ist.
Die Worpsweder meinten damals: „dei is verrückt, de Kerl“.


Und so wie ich diesen Reisebericht mit einem Logo von Worpswede
begonnen haben, möchte ich ihn auch beenden. Doch nicht, ohne auf eine
interessante Website über das „Weltdorf“ hinzuweisen. Dazu einfach das
Logo anklicken.