Riddagshausen – 1146 das erste Mal urkundlich erwähnt als Heinrich der Löwe dem Kloster das Dorf Ritdageshusen schenkte - ist seit 1934 ein Stadtteil von Braunschweig. Aus meiner Sicht der Schönste hier in der Stadt und vielen Einwohnern liegt die Erhaltung ihres Stadtteils, der Klosterkirche und des Naturschutzgebietes sehr am Herzen.
Rund um die Klosteranlage hat sich im 14. Jahrhundert das Dorf Neuhof angesiedelt, was den heutigen Ortskern bildet.
Zusammen mit Gliesmarode und Querum ist Riddagshausen heute der Stadtbezirk Wabe-Schunter. Im Jahr 2000 zählte Riddagshausen rund 700 Einwohner; prominent war darunter sicher Herzogin Viktoria Luise, Tochter des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II, die 1980 im Alter von 88 Jahren verstarb.
Von unserem Zuhause aus ist Riddagshausen in einer halben Stunde erreicht und somit steht es ab und zu auf unserem Wochenendplan für einen "kultur- und naturnahen" Ausflug.
Also: Auf geht es in die Stadt Heinrich des Löwen!
Wir finden - wie meist immer - einen Parkplatz vor dem Eingang
zur Klosterkirche. Durch das große Tor ging
man bereits früher in den Klosterbereich.
Es war das Jahr 1098, als die Zisterzienser
vom französischen Citeaux ihre Reformbewegung auf ganz Europa
auszudehnen begannen. Bernhard von Clairvaux war der erste Leiter des
Ordens. Das Leben der Zisterziensermönche war hart und von strengen
Regeln begleitet. „Ora et labora“ (bete und arbeite) – dieser
lateinische Spruch bestimmte den Tagesablauf in einem Kloster, das
mindestens aus 12 Mönchen bestand. 12 deshalb, weil es die Zahl der
Apostel ist.
Ihr Tagesablauf begann nachts um 01:45 h und endete nach dem
Abendgebet (19:00 h) um 20:00 h mit der Nachtruhe. Bis zu sieben
Stunden verbrachten die Mönche täglich in der Kirche.
Schauen wir doch einmal zurück. Unser Blick fällt dann auf ein Gebäude rechts des Tores. Das Torhaus (in dem sich heute das Zisterziensermuseum befindet) war bereits Ende des 12. Jahrhunderts entstanden.
Besonders hübsch sieht die grüne Bewachsung aus.
Die Reben
stammen aus Hochheim am Rhein und wurden 1986 in Tradition der
Zisterzienser gepflanzt. Noch heute ruft die Weinbruderschaft
Braunschweiger Löwe seine 100 Mitglieder im September/Oktober zur
Weinlese auf. Es gibt letztendlich nur sehr wenig Wein; 1999 waren es
gerade mal 42 Flaschen Riesling, Müller-Thurgau und Portugieser.
Nach gut 60-jähriger Bauzeit wurde die Klosterkirche
1275 geweiht.
Seit der Reformationszeit ist die Kirche evangelisch. Aus der
Informationsschrift über die Kirche habe ich erfahren, dass die letzte
katholische Messe am 10. August 1568 gelesen und bereits einen Tag
später der erste evangelische Gottesdienst gefeiert wurde. Heute finden
bis zu 1000 Gläubige in der Kirche Platz.
Wir gehen die wenigen Stufen rauf durch eine weitere Mauer, die die eigentliche Kirche umgibt.
83 m lang und 20 m breit steht sie vor uns. Somit ist sie nicht nur
die längste Kirche Niedersachsens, sondern auch die mit dem längsten
Hall. Elektronisch gemessen wurden 13,8 sec.; ein Prediger muss deshalb
seine Stimme dieser Akustik anpassen.
Die Sonne - hoch am Himmel - macht meinen Fotoaufnahmen teilweise einen
Strich durch die Rechnung; doch bei diesem Bild habe ich sie
"überlistet".
Rund um die Kirche findet der Besucher Ruhe und Muße, um ein wenig
auf den Bänken zu sitzen und ein wenig die Seele baumeln zu lassen; ein
Buch zu lesen oder seinen Gedanken nachzugehen.
Das Ganze im Blickfeld der Madonnen-Skulptur von Holger Lassen,
die direkt neben dem Eingang zur Kirche steht.

Wir haben unseren Dackel Caesar dabei (schließlich wollen wir nachher noch um die Seen wandern),
deshalb gehe nur ich hinein.
Besonders das Taufbecken
von 1562 hat es mir angetan. Er hat einen geschnitzter Baldachin aus
Lindenholz, der wie ein Tempel aussieht. Abt Johannes hat das
kelchförmige Becker noch vor der Reformationszeit dem Kloster gestiftet. Der Kalkstein
kommt aus dem nahen Elm.

Die Renaissance-Kanzel aus Lindenholz von 1622, der spätbarocke Hochaltar (o.li.) von Matthäus Heinrich Vetten aus dem Jahr 1735 und die Geschichtstafeln (o.re.) aus dem Jahre 1614 prägen die Schönheit der Kirche von innen ebenso wie der Orgelprospekt (u.li.) von Esaias Compenius d. J. aus dem Jahr 1619. Eindrucksvoll erhebt sich auch das weiße Gewölbe und die Säulen. Hinweis: Hinter dem Bild ist ein Detail der Säule zu sehen (u.re.).
Wieder draußen schauen wir uns gemeinsam den 2004 nach zweijähriger Bauzeit wieder eröffneten Klostergarten an. Sofort fällt die typische Hochbeetbepflanzung auf, die auf die Verordnung „capitulare de villis“ von Karl dem Großen aus dem Jahr 812 zurückgeht. Und so lernen wir auch gleich eine Pflanze kennen, die uns bisher nur vom Namen (und Geschmack) her geläufig war: Bockshornklee.
Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) gehört
zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), Unterfamilie
Schmetterlingsblütler (Faboideae). Es ist eine einjährige, bis zu 60
Zentimeter hohe Pflanze.
Der lateinische Name foenum-graecum bedeutet „griechisches Heu“.
Weitere Namen sind Kuhhornklee, Ziegenhorn, Hirschwundkraut, Rehkörner,
Fenugreek, feine Grete, Filigrazie, Schöne Margreth, Siebenzeiten,
Stundenkraut, Methika und Philosophenklee.
In Deutschland noch oft als Unkraut angesehen, wird Bockshornklee in Frankreich. Als Tee ist er vor allem in China, Indien und Tibet bekannt. Er wird dort als Hustenmittel und zur Reinigung der Atemwege eingesetzt.
Und was den Geschmack anbelangt? Wir mögen gerne Ziegenfrischkäse mit Bockshornklee gewürzt. Hier bei uns kaufen wir ihn in der Schafskäserei in Immensen (ganz in der Nähe!). Besonders lecker war ein Bockshorn-Camembert, den wir in Namibia gegessen haben. Dort - nach vier Wochen "nur Cheddar", waren wir überrascht, auf eine Schweizerin zu treffen, die in den Norden Namibias gezogen ist und dort auf ihrer Farm "den besten Käse Namibias" macht (jedenfalls für mich!).
Die uns umgebende Ruhe ist fantastisch und die großen Bäume spenden
angenehm Schatten, der sich auch über die schön restaurierten
Fachwerkhäuser innerhalb der Klostermauern legt. Teilweise verstecken
sich die Häuser hinter Efeu; teilweise glänzen sie mit hübschen
Fenstern.
Hinweis: Ein Klick auf den Button und es gibt noch mehr Informationen über die
Klosterkirche in Riddagshausen.


So, nun geht es aber ran ans Wasser. Caesar zerrt an der Leine; er
scheint genug von der Kultur zu haben und möchte einfach in der Natur
toben. Aber da wird nichts draus, denn Hunde müssen
im Naturschutzgebiet von Riddagshausen an die Leine.
Dieses Naturschutzgebiet beginnt gleich hinter der Klosteranlage. Mönche haben
vor 900 Jahren in den damaligen Sümpfen Fischteiche,
Felder und Wiesen
angelegt. 1936 erfolgte die Ausweisung zum Naturschutzgebiet und seit
2002 gehört das 526 ha große Gebiet zum Europäischen
Vogelschutzgebiet.
Viele Wanderwege sind heute nach bekannten Naturschützern benannt wie Dr. Rudolf Berndt (Vogelschützer), Gerhard Schridde (Heimatpfleger), Adolf N. Nehrkorn (Naturforscher und Ornithologe) und Otto Wilke, der die Bebauung in Naturschutzgebiet anprangerte und einen Freizeitpark verhinderte. Hinter dem Button gibt es noch mehr Informationen.


Auf halber Strecke unserer Wanderung liegt das bereits 1906 eröffnete Restaurant Schäfers Ruh ganz idyllisch in der Seenlandschaft. Nicht nur uns zieht es hierher, sondern auch jede Menge Fahrrad fahrende Braunschweiger/Innen. Wir haben einen schattigen Tisch draußen unter den hohen Bäumen gefunden mit Blick in den umliegenden Wald. Zwei riesige Alsterwasser (natürlich für jeden eins!) helfen gegen den ebenso riesigen Durst (und Caesar bekommt eine Wasserschale).
Hunger haben wir auch; die Kellnerin empfiehlt uns warmen Strudel mit Vanilleeis, Sahne und Vanillesoße. Den Strudel bestellen wir dann einmal mit Apfel (für Hubert) und einmal mit Pflaumen für mich - Uta). Ach, sieht der lecker aus, als er warm und duftend kommt.
Es kommen aber auch jede Menge Wespen und wir müssen höllisch aufpassen, dass diese lästigen Dinger uns nichts tun oder gar hinter dem Gabelbissen mit in den Mund huschen. Das ist gar nicht so abwegig, denn einer älteren Dame am Nebentisch ist das passiert ...


Nun sind wir gestärkt und der Durst ist gelöscht. Da können wir uns auf
den Rückweg zur Klosterkirche zu unserem Auto machen. Unterwegs huschen
uns noch Eichhörnchen über den Weg und die Schwäne lassen sich selbst
durch Dackel Caesar nicht stören.