Oft machen wir Ausflüge in den Elm;
besser gesagt: in den Naturpark Elm-Lappwald
im südöstlichen Niedersachen. Die bewaldeten
Höhenzüge von Elm, Lappwald und Dorm prägen den 470 qkm großen Park
ebenso wie das Rieseberger Moor und die Helmstedter Mulde.
Die Region war schon früh bevölkert; der Lösboden ließ Landwirtschaft
zu. Bereits 952 gab es Handelswege nach Helmstedt (Verlauf fast wie die
B1).
Auch steht dann Königslutter am Elm auf unserem Ausflugsprogramm und das besonders wegen dem Kaiserdom. Hier in diesem Beitrag sind deshalb Bilder über die Zeit vor und nach der Restaurierung der Stiftskirche St. Peter und Paul enthalten.
Königslutter liegt mitten im Naturpark; Wolfsburg ist etwa 20 km entfernt.
Die Stadt führte einst den Namen Lutter; 1135 wurde sie erstmals
urkundlich als Lûtere erwähnt. Erst Ende des 14. Jh erhielt die Stadt
den Namen Konnigesluttere.


Gleich neben dem Rathaus (o.li.)
sehen wir das Wappen der Stadt
(o.li.). Es wurde1470 wurde erstmals urkundlich erwähnt; wahrscheinlich
ist es aber schon
Jahre älter. Es ist ein goldenes Schild, in dem auf silbernen Wellen
ein blauer welfischer Löwe steht. Ein Löwe in lüneburgischer Gestalt,
obwohl die Stadt nicht zum lüneburgischen Teil des welfischen Landes
gehörte. In den nächsten Jahrhunderten zeigte sich der Löwe rot auf
weißem Wappenhintergrund, ähnlich etwa des braunschweiger Löwen. Doch
heute hat er wieder seine alte Farbgebung.
Auch die Kanaldeckel ziert das Stadtwappen.
Wahrzeichen von Königslutter ist der Kaiserdom.
Lothar von Süpplingenburg, deutscher Kaiser seit 1133, war Stifter
der Kirche; ebenso gründete er 1135 das Benediktinerkloster. Er war es
auch, der die Kirche als dreischiffige kreuzförmige Basilika errichten
ließ. Lothar hat allerdings die Vollendung des Bauwerks nicht mehr
erlebt; er verstarb am 4. Dezember 1137. Sein Grab steht mitten im Dom. Neben ihm sind
seine Frau Richenza und der Vater Heinrich des Löwen, der Herzog Heinrich der Stolze,
beigesetzt.
Fertiggestellt wurde der Dom 1170 nach dem Tod von Lothar III unter Heinrich dem Löwen.
Die kreuzförmige Pfeilerbasilika wurde mit Bildhauerarbeiten
lombardischer Steinmetze geschmückt und sie hat mit einer Länge von 75
m und 18 m Höhe gewaltige Ausmaße. Der Dom ist weithin sichtbar, zumal
er auch noch an der höchsten Stelle der Stadt erbaut wurde. Den
Kreuzgang zieren Säulen mit Ornamenten und Kapitellen; sie zählen zu
den schönsten Deutschland.
Die fast 900 Jahre alte Kaiser-Lothar-Linde
vor dem Dom ist ein Naturdenkmal von überregionaler
Bedeutung.
Der Stammumfang beträgt rund 13 m. Die Linde soll im Jahr des Baubeginns des Doms 1135
gepflanzt worden sein.
Sie steht mitten auf dem Domplatz.
Der Dom besteht aus Elmkalkstein, der nahe dem Ort an den Hängen des Elms gebrochen wurde.
Das Jagdfries „Hasen fesseln Jäger“
an der Apsis soll in den
abgebildeten Jagdszenen den Mensch als Opfer des Teufels darstellen.

Seit Ostern 2010 ist der Kaiserdom -
die Stiftskirche St. Peter und Paul
- wieder für Gottesdienste und Besucher geöffnet, nachdem acht Jahre
lang das Gemäuer umfangreich saniert wurde. Die Restaurierung der
Decken- und Wandmalereien im Inneren begannen 2006 und zwei Jahre
später wurde auch mit der Renovierung des Kirchenschiffes begonnen.
Pünktlich zur 875-Jahr-Feier wurde auch die Domorgel restauriert.
Beeindruckend sind heute wie damals die Steinmetzarbeiten eines
italienischen Steinmetzes; so wie das Jagdfries (s.o.) an der Fassade der
Hauptapsis und das Löwenportal (o.).
Der Dom ist fast noch vollständig erhalten.

Gerade die Malereien sind es, die
das Gewölbe des Kaiserdoms so
interessant machen. Noch vor gut 200 Jahren waren die Wände und Säulen
in einem schlechten Zustand und mit einer dicken Kalkfarbe gestrichen.
Prinz Albert von Preußen ließ daraufhin durch den Architekten August
Essenwein, der sich als Bauhistoriker bereits einen Namen gemacht
hatte, das Gotteshaus restaurieren.
Essenwein legte erst einmal die alten Malereien frei und ließ dann
eine „stilgemäße Restaurierung der
schablonenhaften Malereien“ durch den Hofmaler Adolf Quensen
durchführen. Quensen hatte schon zusammen mit Essenwein den
Braunschweiger Dom restauriert.
Seinerzeit wurden bereits Fußböden, Altäre, Kanzel und Fensterverglasung erneuert. All diese Ausstattungen wurden dann im Zuge der Restaurierungen in den letzten Jahren aufgearbeitet.

Ein Klangerlebnis ist die 1892 von der aus Hannover stammenden Werkstatt Furtwängler & Hammer
erbauten Orgel.
Die Restaurierung wurde in den Jahren 2008 bis 2010 durchgeführt und von
der Freiburger Orgelbau
wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt.

Der Dom ist auch die Grabeskirche
von Kaiser Lothar III. (u.li.) und seiner
Familie. Lothar wurde in der Silvesternacht 1137 im noch unvollendeten
Dom beigesetzt. Ihm zur Seite liegen seine Gemahlin Richenza
(† 1141 - u.re.) und beider Schwiegersohn und Vater Heinrich des Löwen, der Bayernherzog
Heinrich der Stolze († 1139) sowie ein Kind, vermutlich ein früh
verstorbener Sohn des Kaiserpaares.


Zusammen mit dem Kreuzgang (li. und rel.) und der Kaiser-Lothar-Linde auf dem
früheren Klosterhof vor dem Dom ist Königslutter einen Besuch wert.
Geöffnet ist der Dom in den Monaten April bis Oktober täglich von 09:00 bis 18:00 Uhr und von November bis März bis 17:00 Uhr.
Nach der Besichtigung der Stiftskirche ist sicher ein Spaziergang im Naturpark Elm-Lappwald ein schöner Ausgleich.
Wer nach Königslutter kommt, sollte einfach eine Pause vor dem Dom
einlegen (ein Café lädt zum Verweilen unter der alten
Kaiser-Lothar-Linde ein) und das im gleichen Haus
befindliche Museum Mechanischer Musikinstrumente
besuchen.