Dorf mit Tumulus, Linde & hübschen FachwerkhäusernEvessen liegt 15 km südöstlich von Braunschweig im Landkreis Wolfenbüttel. Zum Ort gehören die Ortsteile Gilzum und Hachum; Evessen gehört zur Samtgemeinde Sickte und hat rund 1400 Einwohner und wir sind nicht das erste Mal hier.
Uns zieht nicht nur Obstanbau, Blumen, Ackerbau und Viehzucht, Landbäcker und Imkerei an, sondern auch die Geschichte dieses kleines Ortes an der alten Heerstraße zwischen Braunschweig und Magdeburg.
Bodenfunde sprechen für eine Besiedelung bereits vor etwa 5000 Jahren; urkundlich wurde der Ort 952 erstmals erwähnt. 1952 feierte Evessen sein tausendjähriges Bestehen.
Viele Sagen und Legenden werden sich im Dorf erzählt. So auch über
das Hügelgrab (lat. Tumulus), das 6 m hoch
und 34 m im Durchmesser nicht zu übersehen ist. „Dat Hoch“,
wie der Hügel auch genannt wird, soll der Sage nach auf einen Riesen
zurückführen, der einen Baum ausriss und damit die dicken Erdkluten von
seinen Stiefeln abkratzen wollte. Diese Erdklumpen mit dem Baum lies er
einfach liegen und so wuchs über Jahrhunderte eine dicke, knorrige
Linde auf dem Hügel heran. Nun ja …. ?!
Linde
Der 1944 zum Naturdenkmal erklärte Baum wird auf gut 800 Jahre geschätzt. Der Stamm ist teilweise morsch und der Rinde sieht man das Alter ebenfalls an. Baumchirurgen haben sich des Problems angenommen und den Baum imprägniert. Nein, nicht mit Zement ausgefüllt, sondern hohl gelassen. Die Linde hat durch den hohlen Stamm Adventivwurzeln nach unten getrieben, die mit den Jahren die Funktion der fehlenden Primärwurzeln übernommen haben.
Noch eine Legende
Die Linde wird schon seit Urzeiten als Heilsbringer bei Zahnschmerzen angesehen. Mit dem Spruch: „Nagel, ick klage dik, min tan de plaget mik, in mik vergeilt, in dik bestreit, dat mik sin lewe nist wedder angeit.“, schlage man nur einen Nagel in den Stamm und schon ist der Schmerz vergangen.
Viele eingeschlagene Nägel zeugen davon, dass die Menschen daran glaub(t)en …

Gerichtsort
Bereits 1347 wurde in den Büchern des Braunschweiger Domstiftes von den Gerichtsverhandlungen berichtet, die unter der Linde stattgefunden haben. Gericht wurde bis 1808 gehalten; verhandelt wurde über Streitigkeiten zwischen Nachbarn, Diebstahl von Brennholz sowie Handgreiflichkeiten unter den Dorfbewohnern. Verkaufsverhandlungen wurden ebenfalls unter der Linde abgeschlossen, indem Verkäufer und Käufer gemeinsam den Hut des Richters berührten.
Tumulus heißt "Hügel"
Mit dem lateinischen Begriff bezeichnet man die steilen Grabhügel in der Braunschweiger Umgebung.
Mitten in Evessen erhebt sich ein solcher Hügel. Noch zwei andere
gibt es in der weiteren Umgebung, in denen Frauen bestattet wurden. Sie
werden deshalb auch Fürstinnengräber genannt.
Der Tumulus wurde allerdings nie geöffnet. Trotzdem spricht man von
einem Fürstengrab. Da aber nicht geplant ist, dieses Grab zu öffnen,
wird es vorerst ein Geheimnis bleiben, ob tatsächlich hier ein Mann
begraben wurde. Ich finde es gut, dass die Schönheit dieses Grabhügels
nicht durch Grabungen zerstört wird. Und ein wenig Geheimnisvolles
sollte dem Ort anheim bleiben.
Erste Untersuchungen im Jahre 1745 ergaben, dass es ein vorchristliches Grab sein muss. Braunschweiger Aufzeichnungen aus jeder Zeit sprachen von einem Fürstengrab.
Aber nicht nur der Ort selbst ist eine Reise wert. Auch die Gegend um Evessen ist ein ideales Wandergebiet. Vom Tumulus aus haben wir einen weiten Blick bis hin zum Elm (o.re.).
Als wir an diesem Sonntag in Evessen ankommen, ist es gerade 10:00 h und
die Veranstaltungen zum Tag des offenen Hofes
beginnen in diesen Minuten mit einem Gottesdienst. Es sind noch nicht
allzu viele Besucher da, so dass wir einen guten Parkplatz direkt an
der Kirche finden. Das Auto stellen wir gleich so in Fahrtrichtung ab,
dass wir am Nachmittag schnell aus dem Gewühl (das sicher sein wird)
rauskommen.
Und so stehen wir auch gleich an der romanischen Kirche,
die als Wehrkirche errichtet. Man schreibt das Jahr 1200, als die
Aufstockung des Turmes erfolgte. Ungefähr 100 Jahre später wurde die
Einwölbung des Chores abgeschlossen. Die Historie berichtet, dass der
Choranbau um 1500 datiert. und fällt wohl mit der Beseitigung der
romanischen Apsis zusammen.
Der Blick nach oben zeigt, "was uns die Stunde geschlagen hat".
Auch vor der Kirche steht eine betagte Sommerlinde.
Wir sind hierher nach Evessen gekommen, weil heute – 22.06.08 –
zum siebten Mal ein Tag des offenen Hofes in Niedersachsen
stattfindet. Es sind 13 Betriebe, die sich hier im Ort dem Besucher öffnen.
Beim Bummel durch den Ort kommen wir auch zum Klosterhof Mumme, ein typischer Steinquaderbau, der zwischen 1825 und 1850 errichtet wurde.
Auch hier im großen Hof mit den alten Kopfsteinpflaster herrscht
heute rege Betriebsamkeit. Denn auch der Hof präsentiert sich am Tag
des offenen Hofes mit Suffolk-Schafen und Informationen über
Bienenzucht von der Wabe bis zum leckeren Honig.

Doch auch das ist der Klosterhof Mumme. Ein Ort voller Ruhe und Muße. Hier kann man einfach nur die Seele baumeln lassen.

Und mit diesem Bild (gesehen und
fotografiert in einer Landschlachterei) verabschieden wir uns aus
Evessen. Aber eins ist gewiss: Wir kommen immer wieder an den Elm.