Ebergötzen – direkt an der Bundesstraße 27 gelegen - ist 15 km von Göttingen entfernt und über die Autobahn von Hannover gut zu erreichen. Wir, die wir in der Region Hannover wohnen, haben uns mit Freunden zu einem Ausflug verabredet. Da aber in solchen Fällen immer einer von uns „Vieren“ fahren muss, lösen wir ein „Niedersachsen-Ticket“ bei der Bahn (5 Personen = 28 Euro).
Die Verbindung ist gut, auch wenn nur die Regionalbahnen genommen werden können. Wir starten zuerst nach Hannover; dann mit dem Metronom nach Göttingen; dann bringt uns der Bus in knapp 30 min nach Ebergötzen. Das Ziel ist gegen 10:00 h erreicht und Caesar – unser Hausdackel – ist stolz auf seine erste überstandene Zugfahrt und die Tatsache, dass er jetzt endlich wieder an einem richtigen Baum das Beinchen heben kann.
Ebergötzen ist ein kleiner – fast verschlafener – Ort mit rund 2000 Einwohnern. Und es ist ein Ort der Mühlen: Die Wilhelm Busch Mühle und die Wasser- und Bockwindmühle im Europäischen Brotmuseum.
Somit dreht sich unser Ausflugstag um Wilhelm Busch und das tägliche Brot.
Die Haltestelle Ebergötzen Schule ist für uns Endstation. Ein Schild weist in Richtung

Caesar scheint das allerdings überhaupt nicht zu interessieren; er hat nur Augen für die kleine getigerte Katze auf der Hausmauer. Die wird erst einmal lautstark weggekläfft. Er lässt sich nur widerwillig an der Leine ein kurzes Stück Straße ziehen. Aber dann haben wir den Eingang zum Brotmuseum erreicht. Obwohl es Samstag ist (und Ferienzeit), ist es doch angenehm ruhig.
Europäisches Brotmuseum e.V.
Göttinger Straße 7, 37136 Ebergötzen
Mail: info@brotmuseum.de
www.brotmuseum.de
Öffnungszeiten:
Mo ist Ruhetag
Di bis Sa 09:30 bis 16:30 h
So und Feiertage 09:30 bis 17:30 h
In den Wintermonaten Öffnungszeiten der Website entnehmen.
Eintrittspreise: siehe Website
Erst einmal kaufen wir Eintrittskarten für das Brotmuseum, denn damit kann
man die Ausstellung im Museumsgebäude selbst sowie auch
den Apotheken- Kräuter- und Getreidegarten
anschauen und die Wasser- und Bockwindmühle
besuchen (doch auch davon später mehr). Wir bummeln durch die
Gartenanlage, betrachten die kleinen Minifelder unterschiedlicher
Getreidesorten und schnuppern an den Kräutern.
Da Caesar nicht mit in die Brotausstellung kann, teilen wir uns: Zu zweit geht das einfach und unser Hund hat immer jemanden, der auf ihn aufpasst.
In der Ausstellung findet der Besucher Informationen aus 8000 Jahre Brotgeschichte; Geschichten über Lehmöfen bis hin in unsere heutige Zeit.
So wurden früher Brot und Brötchen mit dem Fahrrad zu den Kunden
gebracht; später folgte dann der Brotwagen. Heute gehen wir einfach zum
Bäcker oder in den Supermarkt.


Und da Brötchen nun mal eine Tüte brauchen, ist ihnen
ein ganzer Raum gewidmet. Irgendwie ein lustiger Anblick, oder ... ???
Nach so viel Information ist zwar unser Wissenshunger gestillt, aber der leibliche Hunger wird größer. Klasse, dass wir von zu Hause schon mal einen Tisch im Cafe Backstübl reserviert haben. So gehen wir rüber „Zur alten Remise“. Die Speisekarte liest sich gut und es steht einem zünftigen Mittagessen nichts im Wege.
Cafe Backstübl
Restaurant Alte Remise
Göttinger Str. 7c, 37136 Ebergötzen
Mail: backstuebl@t-online.de
www.cafe-backstuebl.de
Öffnungszeiten:
Mo ist Ruhetag
Di bis Sa durchgehend 09:30 bis 22:00 h
So und Feiertage 09:30 bis 18:00 h
Der Bäckerladen selbst ist täglich ab 07:30 h geöffnet.
Zwar werden im Brotmuseum Führungen angeboten, aber wir gehen lieber selber
auf Entdeckungstour. Nur für die Besichtigung der Bockwindmühle
freuen wir uns über die Informationen der Museumsleute.
Erbaut 1812, stand sie in der Nähe von Hildesheim.1974 wurde sie restauriert und gleichzeitig wieder neu aufgebaut im dem damaligen Brotmuseum in Mollenfelde; zog dann aber erneut um, als auch das gesamte Brotmuseum hier in Ebergötzen einen neuen Standort fand.
Einen ähnlichen Lebensweg hat ebenfalls die
kleine Wassermühle nebenan,
die durch die Aue angetrieben wird.
Aber da gibt es doch noch eine Mühle in Ebergötzen . ???
Wir machen uns also auf den Weg an der Aue entlang rein ins Dorf. Am großen Parkplatz in der Ortsmitte angekommen, blicken wir auf das Hinweisschild zur Wilhelm Busch Mühle und in die Gesichter der beiden Lausbuben Max & Moritz. Gleich daneben, nämlich vor des Meisters Hause, floss ein Wasser mit Gebrause, führt ein Weg an eben diesem Bach entlang. Übers Wasser führt ein Steg, und darüber geht ein Weg, direkt zur restaurierten Wassermühle hin.
Und was taten Max & Moritz? Die sägen heimlich mit der Säge. Ritzeratzte! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke.
Caesar fängt an zu kläffen, weil sich irgendetwas in den Büschen bewegt. Wir überlegen, ob uns nun ebenfalls wie Meister Böck im Streich Nr. 3 ein solches Unheil passiert und wir mitsamt der Brücke "baden gehen". Hört Caesar vielleicht plötzlich ein Geschrei: "He, heraus! Du Ziegen-Böck! Schneider, Schneider, meck, meck, meck!"
Nein, nein, die beiden Lausbuben sind ja bekanntlich im Streich Nr. 7 als Korn zu Hühnerfutter geworden und die Brücke ist - ebenfalls restauriert - ein sicherer Weg über den Dorfbach hin zur Mühle.
Wilhelm Busch Mühle
Mühlengasse 8, 37136 Ebergötzen
Mail: info@wilhelm-busch-muehle.de
www.wilhelm-busch-muehle.de
Öffnungszeiten:
Mo nach Vereinbarung
Di bis Sa 09:00 bis 13:00 h und 14:00 bis 17:00 h
So 10:00 bis 13.00 h und 14:00 bis 17:00 h
Eintrittspreise: siehe Website
Wilhelm Busch, 1832 in Wiedensahl (bei Hannover) geboren, war das älteste von
sieben Kindern. Mit neun Jahren verließ er sein Elternhaus und zog zu
seinem Onkel, dem Dorfpfarrer von Ebergötzen, der ihn aufzog und
unterrichtete. Busch hat – zusammen mit dem Müllersohn Erich Bachmann –
hier sicher die schönsten Jahre seines Lebens verbracht; die Mühle
wurde zu ihrem Abenteuerspielplatz.
Wilhelm Busch studierte später in Hannover, ging dann nach Düsseldorf,
Antwerpen und München. 1865 veröffentlichte er seine erste
Bildergeschichte: Max & Moritz. Die beiden Lausbuben machten ihn
berühmt. In einem Raum der Mühle kann man es lesen (und sehen): Das
Buch wurde in 80 Sprachen und mehr als 120 Dialekte übersetzt.
Wilhelm Busch zog nach Frankfurt, später wieder zurück in seinen Geburtsort
Wiedensahl. Er starb 1908 – erneut umgezogen – in Mechtshausen am Harz.
Heute ist die Mühle der Familie Bachmann wieder restauriert und für
Besucher geöffnet. Auch hier teilen wir uns wieder, denn Caesar darf
nicht mit hinein. Aber eigentlich
hätten wir doch alle Vier an einer gemeinsamen Führung teilnehmen
können, denn Max scheint ja auf ihn aufzupassen, oder . ???
Und das Mäuse nun mal gerne Getreidekörner mögen, ist wohl allgemein bekannt. Deshalb hat sicher der Müller einst eine skurrile Sammlung von Mausefallen angelegt, wie man an den Bildern sehen kann.
Am Ende des Rundgangs erfährt der Besucher dann noch anhand eines Films Dinge aus dem Leben des Malers und Humoristen Wilhelm Busch.
Uns zieht es langsam wieder Richtung Brotmuseum.
Nein, Hunger haben wir nicht, aber bei diesem schönen Wetter könnten wir ein Eis gebrauchen. Draußen vor dem Cafe Backstübl finden wir einen Tisch unter dem riesigen Sonnenschirm und eine Eiskarte. Es dauert nicht lange, und vier große Eisbecher stehen auf eben diesem Tisch.
Langsam geht es auf 18:00 h zu. Der Bus bringt uns zurück nach Göttingen, wo der Metronom wartet für die Fahrt nach Hannover. Wir haben gleich Anschluss an einen Regionalexpress, der uns endgültig Richtung Heimat bringt.
Ein schöner Tag geht zu Ende und wir freuen uns schon auf das Frühstück am folgenden Sonntagmorgen, denn im Backstübl konnten wir nicht umhin, frisches Brot einzukaufen.