130 km sind es von unserem Zuhause bis nach Duderstadt.
Es ist noch recht kühl und trübe, als wir gemütlich durch den Harz in
die knapp 22.000 Einwohner zählende Stadt im südöstlichen Niedersachsen
fahren. Die Stadt liegt nahe der Landesgrenze zu Thüringen und lag
somit viele Jahre an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.
Als sich am 10. November 1989 der Schlagbaum am Grenzübergang
Gerblingerode öffnete, kamen bis zum Nachmittag mehr als
6000 DDR-Bürger in über 1500 Fahrzeugen nach Duderstadt, bis zum
Jahresende wurden es 700.000 Menschen.
Bereits 1255 gab es ein Stadtsiegel,
das Basis des heutigen Stadtwappens ist. Es zeigt zwei Löwen auf roten
Grund. Die Wappenurkunde spricht allerdings von Leoparden. Mit dem
Farben Blau und Gold werden die Stadtfarben dokumentiert.
Allmählich klart der Himmel auf. Die Sonne kommt hervor und es wird mehr als frühlingshaft warm,
als wir den Parkplatz Hinter der Mauer erreichen.
Dieser ungewöhnliche Straßenname leitet sich von dem
früheren Wächtergang an
der Stadtmauer
ab. Heute muss niemand mehr die Stadt bewachen; heute liegt eine
sehenswerte Altstadt im Inneren der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert,
die einst 1700 m lang war.
Mehr als 600 Fachwerkhäuser aus vielen
Jahrhunderten prägen das Stadtbild. Gleich am Westerstieg –
dort, wo wir durch die Stadtmauer gehen – steht
der Westerturm
(li. und re.), das letzte erhaltene Stadttor aus dem Mittelalter.
Unübersehbar mit seiner markanten Spitze, die gleich einem Helm mit
Linksdrall gleicht. 1343 erbaut, brannte er nieder und wurde 1436
wieder aufgebaut. Der Volksmund behauptet, dass der Teufel im Spiel war
und auf der Flucht den Turm erklomm; dabei die Wetterfahne so sehr
drehte, dass die Turmspitze diesen Drall bekam.
Es war 1999, als nach Untersuchungen der Turm für ein sturzgefährdet
erklärt wurde. 2002 bis 2004 wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten
vorgenommen und am 12. August 2004 erstrahlte der Turm wieder im alten
Glanz. Pünktlich zur 1075 Jahrfeier der Stadt.
Wir erreichen wenige Meter weiter die Marktstraße.
Hier an ihrem unteren Ende steht die St. Servatius Kirche
(li. und u.), die „Unterkirche“. Die dreischiffige spätgotische Hallenkirche wurde
1520 erstmals erwähnt, als sie sich im Bau befand. Ihr Inneres allerdings ist 1714 im
barocken Stil entstanden. Wechselvoll war ihre Geschichte; viele
Restaurierungsphasen hat das Gotteshaus mitgemacht. Heute ist der
Kirchturm mit seinen 64 m Höhe etwa 10 m höher als sein Vorgänger.

Rechts sehen wir noch einmal den Mann, der da oben rechts im Bild vor der St. Servatius Kirche steht.
Er "unterhält" sich mit einer Frau mit drei (?!) Beinen, wie es scheint.
Sollten das tatsächlich drei Beine sein?
Nein, es ist nur der Rocksaum, wie das Bild unten rechts zeigt.

Bis Hannover also sind es 110 km (li.). Und das von der Stelle aus, an der
ich das Bild von der Marktstraße gemacht habe.
Wir blicken auf den Obermarkt und
das Rathaus (re.).
Was uns besonders gefällt, sind die Brunnen- und Wasserspielanlagen im Stadtbild. Auf der breiten Marktstraße zieht sich ein Wasserlauf entlang. Wir folgen ihm bis zum Rathaus. Auf massivem Sandstein erhebt sich ein Eichenfachwerk in leuchtenden Rottönen. Der Bau begann im 14. Jahrhundert und die Baustile der folgenden 400 Jahre sind gut sichtbar „verbaut“ worden, so z.B. ist die Renaissance-Eingangstreppe 1673/74 entstanden.
12:15 Uhr - das Rathaus ist erreicht (u.li.). Wir stehen vor der Rathaustreppe
(u.e.) mit den Figuren, die die Tugenden darstellen, die ein
guter Stadtrat besitzen sollte. Krieger = Stärke; Weibliche Gestalt mit
Schwert und Waage = Gerechtigkeit; Frau mit Herz und Anker = christl.
Gedanke an Glaube, Liebe, Hoffnung.
Gleich neben dem Rathaus steht die Mariensäule;
eine Pestsäule, die als Dank für die Errettung von der Pest im Jahre 1683 aufgestellt wurde.
Die Säule wurde 1711 vom Stadtpfarrer Herwig Böning errichtet. Im
Sockel befinden sich das Wappen der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten
und das der Stadt Duderstadt mit den beiden Löwen.

1247 erhielt Duderstadt die Stadtrechte. Als Erinnerung daran bekam
sie als Geschenk der Gesellschaft der Schützen einen
ausgefallenen Brunnen mit Wildschwein und Löwe.


Es ist jetzt auch der höchste Punkt der Altstadt erreicht: der Obermarkt und somit
auch die „Oberkirche“, die St. Cyriakus Kirche.
Mit dem Bau der heutigen katholischen Pfarrkirche wurde 1250 im
frühgotischen Stil begonnen.
Ursprünglich gab es nur einen nördlichen 62,50 m hohen Turm, obwohl es in den Planungsunterlagen auch einen südlichen Turm gab. Dieser wurde aber erst nach dem Kirchenbrand 1852 errichtet. Heute leuchtet auf dem einen ein goldener Hahn als Wetterfahne und auf dem anderen eine Turmknaufe in der Sonne.
Statue des Nepomuk: aufgestellt 1724 gleich neben der
St. Cyriakus Kirche
Besonders fällt das Fachwerkhaus gleich neben der St. Cyriakus Kirche auf:
das Hessesche Haus wurde 1620 von Johannes
Hesse im Stil der Renaissance erbaut.
Der Spruch auf dem Balken an der Fassade lautet: Wenn Gott für uns
(ist), wer (kann da) gegen uns sein? Die Schützendame wird es richten ...
Unser Spaziergang geht sehr langsam voran, denn ständig klickt die Kamera bei diesen Häusern.
Wunderschön, aber wer muss hier wohl diese vielen kleinen Fenster putzen?

Wir bummeln weiter durch die Straßen der Altstadt und entlang
des Stadtwalls und kommen an verwunschenen
Gärten und einladenden Pforten vorbei.
Hunger stellt sich ein und den stillen wir mit regionalen Köstlichkeiten (für Hubert) und italienischen Leichtigkeiten (für mich). Caesar bekommt eine große Schale frisches Wasser. Das alles bei strahlendem Frühlingswetter unter Bäumen gleich neben dem Rathaus. Es ist 15:00 Uhr und vom Rathausturm (u.re.) erklingt das Glockenspiel „Mein Duderstadt am Brehmestrand des Eichsfels Kron‘ und Zier, es hat sein Herz dir zugewandt, wer je geweilt in dir …“

Wie Duderstadt den Namen bekam (eine Sage)
Es waren drei Brüder, die die Stadt erbauten. Als sie fertig waren,
fehlte nur noch der Name. Sie diskutierten und diskutierten so lange,
bis der Erste zum Zweiten sagte: „Gib du der Stadt den Namen". Aber
auch der gab die Aufgabe weiter an den Dritten: „Gib du der Stadt den
Namen“. Der zuckte aber nur mit den Schultern, sah den Ersten wieder an
und sagte zu ihm: „Gib du der Stadt den Namen“.
So drehte sich der Fragenkreis und so kam es zum Namen Duderstadt.