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Deutschland - Bremenhaven

Auswandererhaus & Fischereihafen

Nicht immer ist es mein Mann, mit dem ich auf Reisen gehe. So haben wir uns mit sieben (!) Freundinnen zu einem Trip nach Bremerhaven entschlossen.

Nein, niemand von uns soll den anderen kutschieren. Wir entscheiden uns also für die Bahn. Und da ein Samstag unser Tag sein soll, kaufe ich kurzerhand zwei „Schöne-Wochenend-Tickets“. Praktisch, denn fünf Personen können damit quer durch Deutschland.
Das wir nur Regionalzüge nehmen können, ist uns egal. Es muss ja kein ICE sein!

bremerhaven Wir erreichen 09:31 Uhr Bremerhaven und der Bus 502 bringt uns (Richtung Innenstadt) bis zur Haltestelle „Auswandererhaus“.
Anmerkung: Auch die Buslinien 501, 505, 506, 508 und 509 fahren in diese Richtung.

Unser erstes Ziel soll also das Auswandererhaus in der Columbusstr. 65 sein. Direkt am Wasser gelegen, entsteht natürlich sofort die Verbindung zu dem, was das „Erlebnismuseum“ dem Besucher nahe bringen will, denn mehr als 7 Millionen Menschen haben zwischen 1830 und 1974 von hier aus mit dem Schiff Europa verlassen. Für immer?

Das erfährt der Besucher beim Rundgang durch das Museum.

Wir sind gespannt, was uns erwartet. So zahlen wir unseren Eintritt (ermäßigte Karten gibt es für Kinder und Rentner, sowie Gruppen).

bremerhaven Wer – wie ich – eine Kamera mitnehmen möchte, zahlt eine Gebühr zum Fotografieren --> siehe meine Bilder.

Am Ticketschalter bekommen wir alle einen „Boarding Pass“. Wir – da wir ja sieben Frauen sind – haben alle einen namentlich unterschiedlichen „weiblichen“ Pass bekommen. Jeder von uns wird von nun an von einer Auswanderin begleitet. Das jedenfalls per Sprache, denn überall im Laufe des Rundgangs informieren Kopfhörer über Geschichte(n) der Auswander(In).
Mich also wird Hertha Nathorff begleiten ...

 Das erste Mal erfahre ich von ihr in der „Galerie der 7 Millionen“.

logoLange Schrankreihen mit unendlich vielen Schubladen und unendlich vielen Namensschildern erzählen unendliche Geschichten von Menschen, die ihre Heimat in Europa auf der Suche nach der „Neuen Welt“ verlassen haben.

bremerhaven bremerhaven Hertha Nathorff – geboren am 01.06.1895 in Deutschland, gestorben am 10.06.1993 in New York – wurde 98 Jahre. Ihre Lebensgeschichte und die ihrer Familie hat sie in einem Buch niedergeschrieben.

1967 erhielt sie – die studierte Medizinerin – das Bundesverdienstkreuz für ihr soziales Engagement während der Jahre nach der Emigration.
Informationen zum Buch - gefunden bei Amazon.de

Hautnah kann der Besucher die damalige Zeit nachvollziehen. Eine nachgestellte Abschiedsszene ist es, die zeigt, was die Menschen 1888 gefühlt haben müssen, als sie auf den Schnelldampfer „Lahn“ stiegen und in eine ungewisse Zukunft fuhren.

bremerhaven bremerhaven Dritter Klasse!

Denn nur die wenigsten Auswanderer konnten sich damals eine Überfahrt – gar 1. Klasse – leisten. Keine hübsche Kabine, sondern enge stickige Etagenbetten warteten auf sie im Unterdeck der Schiffe.

bremerhaven bremerhaven Ellis Island – die „Insel der Tränen“ – ist erreicht. Das Eiland nahe der Freiheitsstatue erreichten damals mehr als 16,5 Millionen Menschen.
Hier – hinter den Eisengittern – entschied sich ihre Zukunft, wo ihre neue Heimat sein wird und oder ob es für sie eine Heimkehr gab.

bremerhaven bremerhaven
Auch Klaus Mann (geboren 18.06.1906 in München, gestorben 21.05.1949 in Cannes), ältester Sohn von Thomas Mann, emigrierte 1938 ebenfalls nach Amerika.

Mann verlor am 01.11.1934 seine deutsche Staatsangehörigkeit, nahm 1937 die tschechische an; sein Leben selbst hat er auch mit dem Spruch (re.) in der „Galerie der 7 Millionen“ umschrieben.


punkt Und einzelne Schicksale kann man in bewegten Bildern miterleben. „Ocean Cinema“ heißen den Kinobesucher, Auswanderer und ihre Nachkommen „Welcome Home“.

punkt Weitere interessante Bereiche im Museum sind das „Forum Migration“ mit einer der größten internationalen Datenbanken.

punkt Ein Shop mit Büchern und Informationen zum Museum. Ein Restaurant für alle und die „Kids‘ World“ für die kleinen Besucher.

punkt Ständig wechselnde Ausstellungen und Führungen werden angeboten.

punkt Wer noch mehr Informationen möchte, besucht einfach mal die Website www.dah-bremerhaven.de
Dort stehen auch aktuellen Öffnungszeiten.


Wir haben Hunger. Was also tun? Eigentlich nichts leichter als das. Haben wir doch unser „Schönes-Wochenend-Ticket. Wir nehmen den Bus Nr. 505 und fahren bis zum „Schaufenster Fischereihafen“.

punkt Preußens Staatsregierung hat zwischen 1891 und 1899 hier an dieser Stelle der Fischereihafen I von Geestemünde gebaut; 1896 gab es die erste Fischauktion.

punkt 1906/07 wurde dann die Packhalle IV gebaut; das heutige Kernstück der maritimen Welt des Schaufensters mit Restaurants, Hafenkneipen und Geschäften.

punkt 1913 kamen Eisfabriken zur Kühlung des Fischfangs hinzu und Güterzug um Güterzug voller Fisch verließ Bremerhaven in alle Himmelsrichtungen.

Wenn man heute zu einer Hafenrundfahrt – wir haben das mit der M.S. Dorsch gemacht – aufbricht, so sieht (und riecht) man keinen Fisch mehr; zumindest im Hafenbecken. Die großen Fangschiffe bleiben auf dem Meer und ihre Ladung wird meist gleich vor Ort verarbeitet. Und was sonst so alles „rund um den Hafen“ passiert, erfährt der Passagier auf der M.S. Dorsch vom Kapitän während der gut 1 ½ Stunde dauernden Fahrt persönlich.

bremerhaven Ein Schiff – oder sollte ich sagen, was davon übrig geblieben ist – möchte ich doch an dieser Stelle nennen: die Al-Zahraa. Seit 1990 liegt das irakische Schiff hier vor Anker. Ein Motorschaden machte diesen unfreiwilligen Aufenthalt nötig. Doch die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit (der Iran-Irak-Krieg) und das UNO Embargo waren der Grund, dass ein neuer Motor nicht in den 110 m langen Frachter eingebaut werden konnte.

bremerhaven Das Schiff ist heute in einem erbärmlichen Zustand und rostet vor sich hin. Vielleicht hat ja der/die eine oder andere LeserIn dieser Seite auch schon mal etwas darüber in den Medien gelesen oder gesehen; einem Filmteam jedenfalls war das Leben der Wachmänner Adel und Abdullah eine Dokumentation wert: www.al-zahraa.de

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Anmerkung aus dem Sommer 2011:

Mittlerweile - nach 21 Jahren - wurde die Al-Zahraa (Die Rose) nach Littauen gebracht; sie soll dort verschrottet werden.

Wieder zurück an Land steuern wir erneut die ehemalige Packhalle IV an. Doch welches der vielen Lokale soll es sein? Das sollte jede(r) selbst entscheiden, die/der hierher in den Fischereihafen kommt. Jedes Restaurant hat sich auf Gäste innerhalb und außerhalb des Lokals eingestellt. Die Sonne meint es gut mit uns, so finden auch wir einen Tisch (na ja, zwei müssen wir schon zusammen schieben). Klar, dass Fisch auf der Speisekarte steht und später dann vor uns auf dem Teller.

Langsam geht unser Tag in Bremerhaven zu Ende. Wir müssen wieder zum Bahnhof und mit den Regionalzügen Richtung Heimat fahren. Die  Zugverbindung in der Tasche, gehen wir zur Bushaltestelle. Alles perfekt in der Zeit (meinen wir). Doch wir haben die Rechnung nicht mit dem City Marathon Bremerhaven gemacht, der sich gerade an unserem Besuchstag durch die Stadt windet. Dabei natürlich auch die Fahrtroute unseres Busses kreuzt.

Also: Der Bus kommt, wir steigen ein und schaffen gerade einmal eine Station. Dann ist Schluss; die Läufer haben nun mal Vorrang. Unser Entschluss steht fest: Aussteigen und zu Fuß Richtung Bahnhof.

Da wir die Fahrtroute des Busses entlang laufen, holt dieser uns unterwegs wieder ein. Wir fahren wieder mit …

Die Regionalzüge erreichen wir dann problemlos. Kurzum: Ein schöner Tagesausflug geht zu Ende.

Noch ein Tipp:
Gleich neben dem Auswandererhaus steht das Klimahaus®. Beide Museen sind in ihrer Art einzigartig und können jedes für sich einen ganzen Besichtigungstag füllen. Deshalb haben auch wir die beiden Häuser an jeweils einem Tag besucht.

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